Unsere verhängnisvolle Affäre mit einem kleinen schwedischen Möbelhaus
Von
Sebastian Herrmann 239 Seiten. Taschenbuch. (2009)
Sebastian Herrmann hat eine Freundin. Das wäre weiter noch nicht schlimm, wenn es in dieser Beziehung nicht noch einen unsichtbaren Dritten gäbe: Ikea. Für ihn (und nicht nur für ihn, sondern wohl für die meisten Männer) ist das Möbelhaus wie eine Schwiegermutter: Es ist ein schwieriger Teil des Lebens, es ist einfach da. Überall, unentrinnbar, gnadenlos.
In diesem Buch erzählt Sebastian Herrmann von einer Beziehung, die sein Leben in einem Maße geprägt hat, wie er es sich nicht hat träumen lassen: Er wurde 1974 in München geboren - im selben Jahr eröffnete in Eching vor den Toren der Stadt der erste Ikea-Markt Deutschlands. Sein Schreibtisch stammt noch aus WG-Zeiten - erworben hat er ihn bei Ikea. Sein Recherchematerial lagert der Wissenschaftsredakteur auf den Brettern eines Ivar-Regals. Andere Ikea-Möbelstücke sind während einiger Umzüge zu Preßspänen zerfallen und aus dem Leben des Autors verschieden.
Am Beispiel persönlicher Erfahrungen (alleine und an der Seite seiner Lebensgefährtin) erzählt Sebastian Herrmann von dem geradezu unheimlichen Einfluss, den Ikea auf uns alle ausübt. Das fängt mit der Fahrt zum Möbelhaus an (oder vielmehr mit dem Stau, in dem man unweigerlich landet) und hört bei der ewigen Duzerei, mit der jeder bei Ikea zum Kind wird, noch lange nicht auf.
Ein Buch, das Ikea-Liebhaberinnen genausoviel zu bieten hat wie dem inbusgeplagten Ikea-Hasser.
Wenn Sebastian Herrmann erzählt, welche Erfahrungen man macht, wenn man dreißig Kilometer fährt, bloß um mal ein paar wirklich günstige Teelichte zu kaufen, dann ist das Aufklärung im besten Sinn: humorvoll und informativ zugleich. Auf amüsante und unterhaltsame Weise erfahren wir, was Ikea ist, wie es uns beeinflusst und wie es dazu kommen konnte, dass es praktisch keinen Haushalt gibt, in dem sich nicht irgend etwas von Ikea findet. Ein Buch, das Ikea-Liebhaberinnen genausoviel zu bieten hat wie dem inbusgeplagten Ikea-Hasser, der keine Bauanleitung mehr sehen kann.
Sebastian Herrmann, geboren 1974, hat Politik, Geschichte und Markt- und Werbepsychologie studiert. Er ist Redakteur der Wissenschaftsredaktion der "Süddeutschen Zeitung" und Autor mehrerer Bücher. Sebastian Herrmann lebt in München.